Moderne Sklaverei

Moderne Sklaverei

Warum ist uns das wichtig?

Laut Schätzungen der International Labour Organization gibt es mehr als 40 Millionen Opfer moderner Sklaverei.1 Frauen und Mädchen stellen 71 % der Opfer moderner Sklaverei dar und bei jedem vierten Opfer handelt es sich um ein Kind.

Zu moderner Sklaverei zählen Verbrechen wie Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Menschenhandel, Kinderarbeit und Zwangsehen. Davon sind Menschen in vulnerablen Situationen oder Regionen disproportional betroffen.

 

Vor diesem Hintergrund müssen Investoren, Regulierungsbehörden und Märkte die Risiken moderner Sklaverei als wichtigen Aspekt ihrer Verpflichtung in puncto Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) berücksichtigen. Die Chance, positive Veränderungen für die Millionen von Opfern moderner Sklaverei zu bewirken, ist ein zentraler Gesichtspunkt unserer Stewardship-Verantwortung.

Uns ist zudem bewusst, dass Menschenrechte geschäftliche Risiken bergen, was sich auch auf unsere Investmentportfolios auswirkt.

Was tut First Sentier Investors?

First Sentier Investors nimmt eine Führungsrolle im Kampf gegen moderne Sklaverei ein. Dabei verfolgen wir einen zweigleisigen Ansatz: Wir überprüfen unsere eigene Geschäftstätigkeit und Lieferkette und wir setzen uns bei den Unternehmen, in die wir investieren, für dieses Thema ein.

In Bezug auf unsere eigene Geschäftstätigkeit haben wir im September 2020 unsere erste Stellungnahme zum australischen Gesetz gegen moderne Sklaverei veröffentlicht und eine Überprüfung unseres Risiko- und Compliance-Rahmens auf moderne Sklaverei veranlasst.

Die Überprüfung umfasst:

  • eine Neubewertung des Risikos moderner Sklaverei in unserem Unternehmen und unseren Lieferketten sowie unseres Ansatz hinsichtlich dieser Risiken,
  • die Entwicklung und Einführung einer gezielten Richtlinie zu moderner Sklaverei,
  • die Stärkung des Bewusstseins unserer Mitarbeitenden für moderne Sklaverei, wie etwa für die speziellen Risiken der modernen Sklaverei, durch unternehmensweite Schulungen sowie gezielte Schulungen unserer Investmentteams und von Mitarbeitenden, die mit Lieferanten zu tun haben, und
  • die Festlegung von Standards, an denen unser Fortschritt in den Bereichen Sklaverei und Menschenhandel gemessen wird. 

In den kommenden Berichtsperioden wollen wir die Erkenntnisse aus dieser Überprüfung nutzen, um angemessene Maßnahmen für eine weitere Verbesserung unseres Risiko- und Compliance-Rahmens zu bestimmen.

Für unsere Investmentportfolios haben wir Anfang 2020 eine Arbeitsgruppe zu moderner Sklaverei eingerichtet, die sich aus Mitgliedern der Investmentteams zusammensetzte und vom RI-Team geleitet wurde. Zweck dieser Gruppe war es, auf unserer vorherigen allgemeinen Arbeit im Bereich der Menschenrechte aufzubauen und die Identifizierung von Risiken sowie den Faktor Unternehmensführung stärker in unsere Prozesse zu integrieren. Diese Gruppe entwickelte ein Toolkit für moderne Sklaverei, das im Juni 2020 herausgegeben wurde.

Das Toolkit enthält ausführliche Hintergrundinformationen über die Risiken der modernen Sklaverei und Fallstudien mit Erfolgspraktiken. Die Investmentteams haben daran gearbeitet, dieses Toolkit in ihre eigenen Investmentprozesse zu integrieren und Daten damit zu erfassen. Dadurch gelang es uns 2021, unsere Fortschritte zu veröffentlichen und unseren Ansatz weiterzuentwickeln.

Fortschrittsberichte

Eine der Herausforderungen, auf die wir gestoßen sind, ist die Risikoabbildung. Im letzten Jahr haben wir intensiv an Möglichkeiten gearbeitet, diese Daten so zu nutzen, dass wir Risiken besser identifizieren können.

Die Landkarte unten stammt aus unserem Modern Slavery Portfolio Analytics Tool und zeigt, wie hoch das Risiko der modernen Sklaverei in den einzelnen Ländern ist, in denen wir in börsennotierte Aktien und Unternehmensanleihen investieren. Die Größe des Kreises entspricht unserem Engagement in diesem Unternehmen über diese Anlageklassen und die Farbfüllung des Kreises zeigt das Risiko der modernen Sklaverei an (dunkler = höheres Risiko). Diese Daten stammen aus dem Global Slavery Index 2018. Wie auf der Karte zu sehen ist, liegen unsere größten Risiken in Asien, weshalb wir uns im Rahmen der oben beschriebenen IAST APAC Initiative auf diese Region konzentriert haben.

Quelle: First Sentier Investors, Daten zu den Walk Free Portfoliopositionen; Stand 31. Dezember 2020

Herausforderungen

Angesicht der hohen Zahl weltweiter Opfer moderner Sklaverei und der komplexen Lieferketten in der heutigen Welt gestaltet es sich schwierig, Unternehmen auf Hinweise für moderne Sklaverei zu überprüfen.

 

Zu den wichtigsten Herausforderungen, mit denen wir dieses Jahr konfrontiert waren, zählte Folgendes:

  • Wie kann man Risiken effektiv identifizieren, wenn es sich bei den meisten Daten um Informationen auf Länder- und Branchenebene handelt? Wir haben verschiedene Indikatoren für die Bestimmung der Vulnerabilität analysiert und dabei auch die Arbeits- und Einkaufspraktiken der Unternehmen überprüft, in die wir investieren.
  • Wie können wir mit unserem Engagement die größten Auswirkungen erzielen? Da die moderne Sklaverei ein systemisches Problem ist, halten wir ein gemeinsames Handeln für am besten geeignet. Das erwarten wir von den Unternehmen, in die wir investieren, und auch wir selbst bemühen uns, mit anderen Investoren und Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Darum haben wir 2020 eine interne Aktionsgruppe gestartet, die dazu führte, dass wir die IAST APAC Initiative ins Leben riefen, am Bali Process Government and Business Forum Financial Sector Consultation teilnahmen und Experten zu unserer Arbeitsgruppe zur modernen Sklaverei einluden.
  • Durch die COVID-19-Pandemie sind die Risiken der modernen Sklaverei in zahlreichen Branchen und Ländern gestiegen, aber auch das Risikoprofil hat sich verändert, als die Lieferketten weltweit von einem Tag auf den anderen plötzlich unterbrochen waren. Wir starteten daraufhin eine interne Aktionsgruppe, um einen Dialog mit Unternehmen für medizinisches Bedarfsmaterial und medizinische Berufskleidung zu führen, in die wir investieren. Wir wollten herausfinden, wie diese Unternehmen mit den Risiken moderner Sklaverei inmitten einer Pandemie umgehen. Wir schlossen uns auch einer CCLA-Initiative gegen Schuldenknechtschaft unter Arbeitsmigranten im Nahen und Mittleren Osten an.

Zukunftspläne

Angesichts der oben aufgezeigten Herausforderungen arbeiten wir an der Entwicklung besserer Risikoabbildungstools. Anfang 2021 werden wir interaktive Berichte über moderne Sklaverei auf Portfolioebene für alle Investmentteams und später im Jahr für Kunden einführen.

Wir werden unsere Führungsarbeit und Teilnahme an der IAST APAC Initiative fortsetzen und hoffen, dass unsere Investmentteams im Rahmen dieses Engagements Erkenntnisse gewinnen, die sie auch für ihren Dialog mit einzelnen Unternehmen nutzen können.

Im ersten Quartal 2021 werden unsere Investmentteams erstmals Berichte mit den in unserem Modern Slavery Toolkit enthaltenen qualitativen und quantitativen Indikatoren erstellen. Damit können wir die Effektivität unseres Ansatzes überwachen und unseren Prozess weiterentwickeln.

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