Artenvielfalt

Artenvielfalt

Warum ist uns das wichtig?

Obwohl die 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde nach Gewicht nur 0,01 % aller Lebewesen ausmachen, hat die Menschheit bereits dafür gesorgt, dass 83 % aller wild lebenden Säugetiere und die Hälfte aller Pflanzen ausgestorben sind1. Die aktuelle Rate des Aussterbens ist zehn- bis hundertfach höher als der Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre – und sie beschleunigt sich. Aktuelle Modelle des Produktions- und Konsumverhaltens, der Landnutzung und Urbanisierung, der Bevölkerungsdynamik, des Handels, der Industrie und der Unternehmensführung untermauern diesen Verlust.

Als Investoren wissen wir, dass der Verlust der biologischen Vielfalt Risiken für die Unternehmen, in die wir investieren, und für die gesamte Wirtschaft verursacht und dass wir mehr tun müssen, um diese Risiken zu verstehen und zu reduzieren.

Mehr Fokus auf den Klimawandel muss für uns auch mehr Fokus auf biologische Vielfalt bedeuten.

Was tut First Sentier Investors?

Bisher galt der Fokus einzelner Investmentteams und unseres für verantwortungsvolles Investieren zuständigen RI-Teams im Bereich biologische Vielfalt Folgendem:

  • Hauptprobleme: darunter die Abholzung des Regenwalds im Amazonasgebiet, Verbesserung von Plastikverpackungen und die Kreislaufwirtschaft in Indien sowie der Dialog mit Herstellern von Industrie- und Haushaltswaschmaschinen in Bezug auf Verschmutzung durch Mikrofasern (siehe ausführlichen Beitrag auf der nächsten Seite)2.
  • Bestimmten Unternehmen: z. B. dem Dialog mit Unternehmen über deren Umweltgenehmigungsverfahren, um sicherzustellen, dass bedrohte Arten nicht unter der Entwicklungsarbeit dieser Unternehmen leiden3.

Die wichtigsten Unterziele der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals oder SDG), zu denen wir mit unseren Tätigkeiten einen Beitrag leisten wollen, sind Unterziel 12.6, Unternehmen dazu zu ermutigen, nachhaltige Verfahren einzuführen und Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Berichterstattung aufzunehmen, sowie Unterziel 14.1, alle Arten der Meeresverschmutzung zu verhindern und erheblich zu verringern.

 

SDG-Unterziele ermutigen Unternehmen, nachhaltige Verfahren einzuführen und Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Berichterstattung aufzunehmen.

Fortschrittsberichte

Da wir einen ganzheitlicheren Ansatz in Bezug auf Biodiversitätsrisiken in unseren Portfolios anstreben, konzentrieren wir uns vorrangig auf Unternehmen, die laut des WEF-Berichts New Nature Economy stark von der Natur abhängig sind (sowohl direkt als auch durch ihre Lieferkette)1. Dazu zählen Unternehmen, die in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Fischerei, Aquakultur- und Versorgungsbranche tätig sind.

Wir haben die Sektoren ausgewertet, bei denen Sustainalytics Landnutzung und biologische Vielfalt als wesentliche ESG-Probleme in ihrer Geschäftstätigkeit oder ihren Lieferketten festgestellt hat. Die Grafiken auf dieser Seite zeigen, inwieweit unsere Portfoliounternehmen* nach der Einschätzung von Sustainalytics diesen Risiken ausgesetzt sind und wie sie diese Risiken steuern.

Sustainalytics stuft das Gesamtrisiko (gemessen an den potenziellen Auswirkungen auf den ökonomischen Wert des Unternehmens) dieser Unternehmen im Vergleich zu anderen Problemen zwar als niedrig ein, doch wegen der in diesem Bericht dargelegten Gründe sind wir der Ansicht, dass die Bedeutung dieses Problems mit der Zeit zunehmen wird. Deswegen werden wir diese Probleme weiter genau beobachten, gerade weil die Kontrolle des Problems bei vielen Unternehmen als schwach eingestuft wurde.

Im Verlauf von 2021 werden wir daran arbeiten, diese Risiken und wie man sie kontrollieren kann, besser zu verstehen.

 

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1 http://www3.weforum.org/docs/WEF_New_Nature_Economy_Report_2020.pdf

* Die Grafik enthält Unternehmen, die von Sustainalytics in die Vergleichsgruppen Papier- und Forstwirtschaft, Lebensmittel und Versorgungsunternehmen eingestuft werden.

Quelle für die Grafik: First Sentier Investors, Powered by Sustainalytics

Herausforderungen

Biologische Vielfalt gehört zwar erst seit kurzem zu den ESG-Faktoren, die Anleger beachten, doch durch COVID-19 hat sie mehr Dringlichkeit erhalten. Anleger müssen das Wechselspiel zwischen Menschen, Unternehmen, Tier-/Pflanzenwelt und Artenvielfalt eingehender verstehen, um besser abschätzen zu können, wie die Unternehmen, in die sie investieren, von einem Verlust an biologischer Vielfalt betroffen sind und wie sie selbst zu dem Problem beitragen.

Das fehlende Bewusstsein für dieses Problem und seine Bedeutung in der Investmentbranche wird durch den Mangel an Informationen noch verschlimmert. Bei First Sentier Investors sind wir überzeugt, dass mehr Informationen über die Auswirkungen von Biodiversitätsproblemen in verschiedenen Branchen notwendig sind und Anleger einen klaren Orientierungsrahmen brauchen, um diese Risiken und Chancen identifizieren und darauf eingehen zu können.

Zukunftspläne

Uns ist bewusst, dass wir von einem problembezogenen und unternehmensspezifischen Ansatz zu einem gesamtheitlicheren Verständnis der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen eines Biodiversitätsverlusts gelangen müssen. Wir haben begonnen, diese Risiken abzubilden (siehe Abschnitt „Fortschrittsberichte“), aber es ist noch ein weiter Weg, bis wir das Ausmaß dieser Probleme auch außerhalb der davon am meisten gefährdeten Branchen verstehen.

Für 2021 haben wir uns vorgenommen, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um von Experten und voneinander zu lernen, und eine Strategie für den Umgang mit Biodiversitätsrisiken im Investmentprozess zu entwickeln. Wir werden uns Möglichkeiten für die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch mit der Investment Community anschauen, wie etwa die Unterzeichnung des „Pledge for Finance and Biodiversity“ (Bekenntnis zum Finanzsektor und zur Artenvielfalt), und über unseren Fortschritt berichten.

Wir begrüßen die Einführung der Task Force on Nature-related Financial Disclosures und freuen uns darauf, diese Arbeit in einschlägigen Foren wie der Australian Sustainable Finance Initiative zu unterstützen.

Berichte über verantwortungsvolles Investieren

Lesen Sie unseren aktuellen Jahresbericht über verantwortungsvolles Investieren

Vollständigen Bericht herunterladen

1 Nature Risk Rising: Why the Crisis Engulfing Nature Matters for Business and the Economy WEF Januar 2020

2 https://www.nature.com/articles/s41598-019-43023-x

3 https://www.nature.com/articles/s41598-019-43023-x

4https://www.nature.com/articles/s41598-019-43023-x

https://www.thewi.org.uk/__data/assets/pdf_file/0007/327418/ WI_EndPlasticSoup_Report_Stakeholders.pdf

Quelle: Daten von First Sentier Investors und MSCI, Stand 31. Dezember 2020.